Nepal Reisebericht Teil 1: Kathmandu

Hallo und willkommen in Kathmandu

 

 

Konsum in Kathmandu
Rund um Schreine und Tempel findet das öffentliche Leben statt.

Ich presse meine Nase an die Scheibe der Turkish Airlines Maschine um einen Blick auf die Gipfel des Himalaya werfen zu können. Es ist 5 Uhr morgens, stockdunkel und natürlich sehe ich nichts außer ein paar Lichtern am Erdboden. Nach ungefähr 12 Stunden reiner Flugzeit bin ich endlich angekommen, ich bin in Nepal.

Der Flughafen von Kathmandu wirkt auf mich wie die Turnhalle meiner alten Grundschule. Alles ist aus bräunlichen Backsteinen gebaut und macht auf mich nicht mehr den neusten Eindruck. Von einer Stadt in der schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen (oder 2,4 Millionen, denn mit der Zählung hat man es hier nicht so genau) wohnen hätte ich mir irgendwie etwas größeres erwartet. Wer schon einmal von Düsseldorf Weeze mit Ryanair geflogen ist kann sich eine ungefähre Vorstellungen machen.

Einkaufsstraße in Kathmandu
In den Straßen von Kathmandu ist immer etwas los.

Nepal, eines der ärmsten Länder der Welt. Heimat von ungefähr 28 Millionen Menschen, von denen ca. 80% dem Hinduismus und etwa 10% dem Buddhismus angehörig sind. Selten hat mich ein Land so fasziniert und mir den Abschied so schwer gemacht.

Ein junger Mönch spielt Fußball
Ein junger buddhistischer Mönch spielt Fußball. Buddhismus und Hinduismus in friedlicher Koexistenz.

Der Smog in Kathmandu ist gigantisch und macht dem von Beijing kräftig Konkurrenz. Überall ist es staubig, laut und hektisch. Taxifahrer, Rikschas und unzählige Mopeds schlängeln sich, vorbei an Touristen und Einheimischen, durch die engen Straßen dieses Molochs. Von meinen bisherigen Reisen nach Asien bin ich vieles gewohnt, verfalle bei so etwas nicht in Hektik und kann das, was um mich herum passiert, dadurch viel besser wahrnehmen.

Für Touristen ist der Stadtteil Thamel die erste Anlaufstation in Kathmandu. Hier reihen sich haufenweise Bars, Restaurants und Hotels aneinander. Straßenhändler verkaufen Souvenirs und man kann sich sehr günstig mit gefälschten, aber dennoch tauglichen, Outdoor-Artikeln für die Weiterfahrt in den Himalaya eindecken. Das wahre Kathmandu wird man jedoch nicht im Schilderdschungel von Thamel finden. Wer sich zu Fuß hinunter zum Durbar Square aufmacht wird feststellen, dass hier die touristischen Angebote deutlich abnehmen und Alltagsgegenstände deren Platz einnehmen. Von Haushaltsartikeln, Obst, Gemüse und Fleischwaren ist hier alles zu finden und vor allem am Abend hat das wilde Treiben einen ganz besonderen Charme, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Beim Thema Fleisch fällt auf, dass in Nepal davon einiges weniger konsumiert wird als in Deutschland. Ich würde mal von ungefähr 10-15 kg pro Kopf im Jahr ausgehen, da ich keine genauen Zahlen finden konnte. Fleisch ist in Nepal mangels Massentierhaltung selten und von daher im Verhältnis recht teuer. Vielleicht erreichen wir solche Zahlen ja auch irgendwann mal in Deutschland, träumen darf man ja noch.

Dal Bhat
Dal Bhat wird auf einem Aluteller serviert. Die einzelnen Zutaten werden entweder in Fächern auf dem Teller, oder in kleinen Schalen gereicht.

Wenn es um Essen geht, dann reichen eigentlich zwei Worte aus um die nepalesische Küche zu beschreiben – Dal Bhat. Der typische Nepalese isst dieses Gericht 2x täglich und in den meisten Fällen an 365 Tagen im Jahr. Im Grunde besteht es aus einer größeren Portion Reis, Linsensuppe und Gemüse der Saison. Die einzelnen Zutaten werden auf einem Aluteller mit Fächern angerichtet und serviert. Das Gemüse und die Linsen werden dann mit dem Reis vermengt und mit der rechten Hand gegessen. In der Regel gilt für dieses Gericht All You Can Eat, was es gerade auf Trekkingtouren auch für Touristen zu einer beliebten Mahlzeit macht.

In den meisten Fällen müsste es zudem auch vegan sein. Hin und wieder kann es aber vorkommen, dass bei der Herstellung Butter verwendet wird und in einigen Restaurants wird es zudem mit einer kleinen Schale Joghurt serviert. Da mein Nepalesisch noch ausbaufähig ist bin ich wahrscheinlich auch öfter einmal in die Butterfalle getappt. Aber gerade in solchen Ländern muss man meiner Meinung nach auch manchmal Fünfe gerade sein lassen. Ich bezweifel zudem stark, dass es überhaupt ein Wort für vegan auf Nepalesisch gibt.

Streuner auf einer Straße
Herrenlose Hunde dösen zwischen den Verkaufsständen,

Mir ist generell aufgefallen, dass Tiere und Menschen hier sehr eng miteinander auf kleinem Raum leben. Auf der Straße dösen herrenlose Streuner vor sich hin und Ziegen laufen, ebenso wie Hühner, umher. Kaum Käfige, selten sind die Tiere festgebunden. Gelegentlich steht auch mal ein Bulle auf der Straße und gerade auf den Tempelanlagen trifft man immer wieder auf Kühe und Affen.

Ein Bulle genießt die Aussicht
Ein Bulle genießt die Aussicht über Kathmandu

Das soll jedoch nicht heißen, dass Tiere hier besonders artgerecht gehalten würden. Wer schon einmal in Asien war der weiß, dass man hier von Tierschutz in der Regel weit entfernt ist und zum Teil recht rabiat mit anderen Lebewesen umgeht. So kann es auch mal vorkommen, dass man live die Opferung einer Ziege an einem der zahlreichen Tempel beobachten kann. Zudem ist Nepal für das sogenannte Gadhemai Fest bekannt, bei dem alle 5 Jahre aus religiösen Gründen mehrere zehntausend Wasserbüffel geopfert werden. Ein blutiges Massaker, dass auch bei vielen modernen Nepalesen nicht unbedingt auf Verständnis stößt.

Ein solch unnötiges Ritual muss man sicherlich kritisieren, allerdings bin ich der Meinung, dass wir hier in Deutschland erst einmal vor unserer eigenen Haustüre kehren müssen. Die Massentierhaltung ist mit Sicherheit das größere Übel im direkten Vergleich. Artgerechte Tierhaltung und Umweltschutz gehen zudem Hand in Hand mit wirtschaftlichen Aufschwung. Sobald eine Gesellschaft einen gewissen Grad an Entwicklung erreicht hat, entwickelt sich in der Regel ein Verständnis für Umweltschutz. Einen ähnlichen Effekt sieht man aktuell in China, wo sich die Regierung vermehrt für eine Reduktion der Umweltverschmutzung und Nachhaltigkeit einsetzt. Mit fortschreitender Modernisierung und Entwicklung wird dies mittelfristig auch in Nepal der Fall sein und gerade der Toursimus dürfte hier einen großen Teil zu dieser Entwicklung beitragen. Der Chitwan Nationalpark, nahe der indischen Grenze, ist ein gutes Beispiel für die Erhaltung der Natur und den Artenschutz, aber dazu mehr im 2. Teil meines Reiseberichtes.

Tauben auf einem Platz in Kathmandu
Tauben auf einem Platz in Kathmandu

Um das Gadhemai Fest verstehen zu können, muss man sich der enormen Bedeutung von Religion in Nepal bewusst werden. Ebenso wie in Indien ist der Hinduismus allgegenwärtig und wird überall praktiziert. An quasi jeder Ecke findet man kleinere und größere Tempelanlagen und Schreine. Ein Besuch beim Pashupatinath Tempel in Kathmandu, eine der wichtigsten Tempelstätten Nepals, verdeutlicht dies eindrucksvoll. Das Betreten der Tempelstätte ist Ungläubigen untersagt, sodass man nur von Außen einen Blick auf die prunkvollen Figuren im Inneren werfen kann. Wer jedoch den Weg über den Hügel am Fluss entlang einschlägt wird Zeuge eines anderen, sehr besonderen Rituals. Auf der Rückseite des Tempels, am Rande des Flusses Bagmati, wird man täglich Zeuge von hinduistischen Feuerbestattungen. Mit dem Tot wird hier sehr offen umgegangen, denn er ist für Hinduisten nicht das Ende, sondern der Weg in die Wiedergeburt.

Feuerbestattungen in Kathmandu
Feuerbestattungen in Kathmandu

Rund um die Tempelanlagen trifft man auch immer wieder auf sogenannte Sadhu. Ein Sadhu verschreibt sich aus religiösen Gründen einem asketischen Leben, das frei von weltlichen Gelüsten ist. In der Regel leben sie nur von Spenden ihrer Mitmenschen, was leider immer wieder dazu führt, dass gerade in touristischen Gebieten falsche Sadhus unterwegs sind. Zu Zwecken der Meditation rauchen viele Sadhus zudem regelmäßig Marihuana. Das ist zwar offiziell verboten, wird bei Sadhus aber aus religiösen Gründen geduldet.

Sadhu in Kathmandu
Gegen eine kleine Spende lässt sich ein Sadhu auch mal gerne fotografieren.

Im zweiten Teil unserer Reise besuchen wir den Chitwan Nationalpark. Fortsetzung folgt.

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