Verbot für vegane Wurst?

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Ende Dezember 2016 ging es durch die Presse. Ernährungsminister Schmidt setzt sich für ein Verbot von Fleishnamen bei vegetarischen und veganen Produkten ein. Angeblich eine Täuschung des Verbrauchers. Der Konsument werde verunsichert. Kommt bald das Verbot für vegane Wurst?

Endlich mal ein sinnvoller Vorstoß der CDU. Probleme wie Altersarmut, Integration von Flüchtlingen, Eindämmung rechtsradikaler Gewalt, Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Großstädten und Verkleinerung der Kluft zwischen Arm und Reich wurden ja bereits ausreichend gelöst. Nicht.

Von falschen Versprechungen

Jetzt darf man gerne argumentieren, dass dies nicht der Aufgabenbereich von Herrn Schmidt als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft sei. Ist es auch nicht, aber der übermäßige Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, die Kontaminierung unseres Grundwassers mit zu viel Natrium, die unsäglichen Zustände in der Massentierhaltung und die Tötung von Millionen von Küken im Vorfeld der Eierproduktion fallen mit Sicherheit in seinen Aufgabenbereich.

Stattdessen gab es vor kurzer Zeit den Vorstoß durch die CDU in Schleswig-Holstein und Herrn Schmidt, dass es in Kantinen eine Gewährleistung für Gerichte mit Schweinefleisch geben müsse. Anstatt sich mal generell mit dem zu hohen Konsum von Fleisch und den gesundheitlichen Folgen zu beschäftigen, muss man sich solche Vorschläge anhören. Den Shitstorm möchte ich sehen, wenn die Grünen mal sowas wie ein Pflichtangebot für Brokkoli einfordern. Der durchaus sinnvolle Vorschlag eines Veggie-Days wurde schon damals in den Medien förmlich zerrissen.

Bis dato habe ich noch nie davon gehört, dass sich Leute eine vegetarische Currywurst gekauft haben und nicht wussten, was sie da in den Händen halten.  Steht ja auch meistens in riesigen Buchstaben „Veggie“ auf der Verpackung. Es regt sich ja auch niemand über einen Mangel an Katzenfleisch in Katzenzungen aus Schokolade auf. Oder das Fehlen von Meeresfrüchten in den gleichnamigen Schokopralinen. Ist in den Chips mit Currywurst Geschmack einer namhaften Marke eventuell gar keine echte Currywurst enthalten? Ein riesen Skandal. Sofort den Verbraucherschutz anrufen.

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Echte Meeresfrüchte sucht man hier vergeblich

Im Nachgang fällt es mir wie Schuppen von den Augen. War in den Fleischnuggets aus meiner frühen Kindheit in Form von Dinosausiern (sorry, ich war jung und brauchte das Geld) eventuell gar kein Dinofleisch enthalten? Und werden Pombären etwa gar nicht aus echten Bären gemacht? Wo war Herr Schmidt damals, als ich seine Hilfe gebraucht hätte. Millionen von Hühnern fühlen sich jetzt mit Sicherheit missverstanden, weil sie versehentlich für Stegosaurier gehalten wurden. Ein klarer Fall von mangelnder Wertschätzung für das Huhn an sich.

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Kein echtes Dinofleisch in diesen Knusper Dinos

Die Täuschung beginnt woanders

Wenn jetzt mit Verbrauchertäuschung bei veganen Produkten argumentiert wird, dann sollten wir vielleicht an ganz anderer Stelle anfangen. Beispielsweise bei Fruchtjoghurts die so gut wie keine Früchte enthalten, oder bei grünen Wiesen und pittoresken Bauernhöfen auf Milch- und Butterverpackungen. Eventuell auch bei sogenannten Fitness Müslis, die wir unseren Kindern zum Frühstück geben und in denen oftmals der 3fache Tagesbedarf an Zucker enthalten ist. Guten Appetit!

Sinnvoller ist da schon eine Forderung von Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. Dieser fordert eine klare Kennzeichnung für das Tierwohl bei Fleisch- und Wurstwaren. Ja, ich weiß, auch eine Kuh aus dem Demeter Stall springt nicht freiwillig in die Kreissäge des Schlachters. Aber es wäre zumindest schon einmal ein erster Schritt in Richtung Stigmatisierung von Produkten aus Massentierhaltung.

Warum überhaupt pflanzliche Produkte in Wurstform pressen?

Jetzt kann man natürlich wieder damit argumentieren, dass es ja Murks ist als Vegetarier, oder Veganer Fleischprodukte imitieren zu wollen. Kann man als Argument bringen, lässt sich aber auch recht schnell entkraften. Tatsächlich zielen die meisten Ersatzprodukte auf die Gruppe der Flexitarier ab, die sich nicht komplett vom Fleischgeschmack verabschieden will, den Konsum jedoch reduzieren möchte. Das sagt beispielsweise auch die Firma Rügenwalder Mühle in diversen Interviews und Dokumentationen. Und die sollte es wissen, da sie damit einen Teil ihres Umsatzes generiert.

Aber klar, auch Veganer und Vegetarier kaufen den Kram. Die meisten verzichten ja auch aus gesundheitlichen und ethischen Gründen und nicht deshalb, weil sie den Geschmack von Fleisch generell abstoßend finden. Ich bin ja auch nicht mit einer Selleriestange im Mund auf die Welt gekommen, sondern wurde über Jahrzehnte hinweg mit Fleisch- und Milchprodukten in meiner Ernährung konfrontiert. Das prägt entsprechend und konditioniert auf solche Nahrungsmittel. Gerade in der Übergangsphase helfen solche Produkte dann beim Umstieg. Ich selbst habe weniger Kopfkino, wenn mein Burger nicht aus Kuh, sondern aus schwarzen Bohnen und Tofu besteht.

Und natürlich ist die Form von Würstchen und Burgern einfach enorm praktisch. Es sieht weder appetitlich aus, noch ist es besonders vorteilhaft, wenn man sich einen kompletten Block Räuchertofu zwischen zwei Brtöchenhälften knallt. Und habt ihr schon einmal probiert eine Dose Bohnen auf diese Art zu essen? Probiert es lieber nicht aus. Kann nur schiefgehen. Dann doch lieber in Form von Wurst, Schnitzel und Frikadelle.

Verbot für vegane Wurst: Gibt es andere Gründe?

Es gibt mit Sicherheit wichtigere Dinge, um die sich Herr Schmidt kümmern könnte und die seine Aufmerksamkeit verdient hätten. Beispielsweise die Reduzierung der Mehrwertsteuer bei pflanzlichen Milchalternativen von 19% auf 7%. Oder aber im Umkehrschluss die Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Fleischprodukten, damit Fleisch endlich teurer wird und nicht mehrfach täglich auf dem deutschen Teller landet. Die Ausgaben des Gesundheitssystems könnten damit in Folge sicherlich merklich reduziert werden. Bei so viel Engagement für die Abschaffung von Wurstnamen bei vegetarischen/veganen Produkten drängt sich der Verdacht auf, dass es vielleicht auch andere Gründe gibt.

Der Fleischkonsum in Deutschland geht in den letzten Jahren ein wenig zurück. Die Produktion dagegen steigt. Die Industrie setzt deshalb verstärkt auf Exporte. Auch klassische Fleischproduzenten wie Rügenwalder Mühle setzen mehr und mehr auf pflanzliche Alternativen. Die Entwicklung in Deutschland ist absolut erkennbar. Ist der Vorstoß von Herrn Schmidt eventuell ein Versuch einen Gegentrend einzuleiten, sodass Verbraucher weniger zu pflanzlichen Alternativen greifen? Begriffe wie Schnitzel und Currywurst sind aus Sicht des Marketings mächtige Instrumente. Sie haben Symbolkraft und wecken Erinnerungen. Wer diese Begriffe verwenden darf, hat in meinen Augen einen gewaltigen Vorteil bei der Vermarktung. Wie würde beispielsweise die Bezeichnung für ein vegetarisches Schnitzel in Zukunft aussehen? Vielleicht „vegetarischer Panadebratling“, oder „veganes Bratstück“. Emotionale Tiefe und Kopfkino sind bei solchen Begriffen Fehlanzeige. Und das dürfte sich auch spürbar auf den Absatz auswirken.

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