Buchvorstellung: Die Weizenwampe

Wampe durch Weizen?

die weizenwampe

Weizen macht dick und krank! Das zumindest behauptet  Dr. Med. William Davis in seinem Buch „Die Weizenwampe„. Sein Werk ist nicht ganz unschuldig daran, dass sich glutenfreie Produkte aktuell wachsender Beliebtheit erfreuen. Auch in Hollywood liegt glutenfrei voll im Trend, denn Stars wie Gwyneth Paltrow und Anne Hathaway schwören auf eine Diät ohne Weizenprodukte, um ihre schlanke Figur beizubehalten. Warum das so ist? Dazu später mehr.

Wer ist eigentlich dieser Herr Gluten und warum mag ihn keiner?

Glutenfrei dürfte wahrscheinlich mit Leichtigkeit das Buzzword des Jahres 2015 werden. Viele kennen das Wort und benutzen es auch fleißig, wissen aber gar nicht genau was sich dahinter verteckt.

Mit Gluten ist das Klebereiweiß im Weizen gemeint, das dem Teig seine Bindung und Struktur verleiht. Ohne dieses Klebereiweiß würden Brot und Pizza nicht so halten wie wir es gewohnt sind, sondern schnell reißen. Gluten ist in allen Getreideprodukten wie Weizen, Roggen Gerste, Hafer und Dinkel etc. in unterschiedlichen Mengen enthalten.

Stellt man daheim einen Teig her und wäscht diesen unter fließendem Wasser aus, so erhält man am Ende reines Gluten, das nicht wasserlöslich ist. Seitan aus dem Supermarkt ist übrigens ebenfalls nichts anderes.

Warum soll Weizen krank machen?

In seinem Buch verwendet Dr. Davis den Begriff „Weizen“ gerne als Synonym für alle Getreidesorten. Der Grund dafür liegt in der hohen Verbreitung des herkömmlichen Weizens, der unsere Ernährung in Form von Pasta, Pizza und Süßigkeiten stark dominiert und in fast allen Fertigprodukten enthalten ist. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe von Fertiggerichten, Saucen und  Chips genügt meistens und man findet ihn in unterschiedlichen Formen wieder. Eine stärkere Differenzierung hätte dem Inhalt des Buches jedoch sicherlich gut getan.

Laut Dr. Davis hat der heutige Weizen mit dem ursprünglichen Getreide nur noch wenig zu tun. Über Jahrhunderte hinweg hat sich der Weizen in seiner genetischen Zusammensetzung kaum verändert. Erst seit den 70er Jahre kam es vermehrt zu neuen Kreuzungen und Zuchtformen, damit Weizen gegen Dürre und Pilze resistent wird. Unser liebstes Getreide wurde also genetisch verändert. Die Einführung des sogenannten Kurzweizens steigerte zwar die Erträge um das bis zu 10fache pro Hektar, jedoch wurden die neuen Sorten nicht auf mögliche Gesundheitsrisiken getestet.

Die bekannteste Erkrankung dürfte die Zölliakie sein, bei der das Gluten im Weizen den Darm schädigt und zu Erbrechen und Magenkrämpfen führt. Langfristig sind auch Folgeerkrankungen wie Krebs und Vitaminmangel nicht ausgeschlossen. Doch Gluten ist laut Dr. Davis nicht das einzige Problem im Weizen. Auch andere Proteine können für die menschliche Gesundheit problematisch werden.

Auch wirkt Weizen angeblich süchtig machend wie ein Opiat und fördert dabei Krankheiten wie ADHS, Autismus, Demenz und Schizophrenie. Denn bei der Verdauung werden Exorphine ausgeschüttet, die sich im Hirn an die sogenannten Opioid-Rezeptoren andocken und dort ihre süchtigmachende Wirkung entfalten.

Persönlich konnte ich diese Behauptung in gewisser Weise nachvollziehen. Früher, als ich noch jeden Morgen mein Brötchen vom Bäcker gegessen habe, war das Verlangen danach sehr stark ausgeprägt, sodass kein Weg an der Bäckerei vorbeiführte und auch bei Keksen und Kuchen konnte ich mich zumeist kaum zurückhalten. Man kann also nicht komplett von der Hand weisen, dass zumindest Weizen in Form von Weißmehl in gewisser Art und Weise süchtig macht.

Moppelig durch Weizen?

Während einige Thesen in „Die Weizenwampe“ in Hinblick auf Autismus und Demenz reichlich abenteuerlich anmuten, kann man Weizen einen Bezug zu Übergewicht wohl nicht ganz absprechen. Denn Getreideprodukte haben einen sehr hohen Wert im Glykämischen Index. Dieser auch Glyx genannte Wert beschreibt die Eigenschaft von Lebensmitteln den Blutzuckerspiegel im Körper zu beeinflussen. Traubenzucker bildet hier mit einem Wert von 100 den Vergleichswert, an dem sich alle anderen Lebensmittel orientieren. Weißbrot hat beispielsweise einen hohen Wert von 80, während Blumenkohl nur bei etwa 15 liegt und den Blutzuckerspiegel so gut wie gar nicht beeinflusst.

Erhöht sich also der Blutzucker schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus um den Blutzucker zu verarbeiten. Wird zu wenig Insulin augeschüttet – z.B. weil der Blutzuckerspiele enorm hoch ist – bildet sich hartnäckiges Bauchfett. Beim Absinken des Blutzuckerspiegels bekommt man zudem Appetit und der Teufelskreis fängt von vorne an.

Wer abnehmen will muss laut Dr. Davis also einfach nur auf Weizenprodukte verzichten und wird dabei ruckzuck abnehmen. Das Ganze ähnelt also sehr stark dem Low-Carb Gedanken. Durch den Verzicht auf Weizenprodukte soll sich der Hunger reduzieren und dadurch auch die Kalorienaufnahme deutlich geringer sein.

Fazit:

Es ist schwer sich eine eindeutige Meinung zu den Aussagen von Dr. Davis zu bilden. Ist Weizen wirklich für so gut wie alle modernen Zivilisationskrankheiten verantwortlich? Das scheint mir eine sehr waghalsige These zu sein und die Wahrheit wird mit Sicherheit irgendwo in der Mitte liegen. Auch ich halte es aber für wahrscheinlich, dass die Dunkelziffer an Personen, deren Krankheitsbilder auf Weizenkonsum beruhen, wahrscheinlich deutlich höher liegt als bisher vermutet. Nicht selten hört man wie sich Hautprobleme durch Weizenverzicht bessern, oder auch Magenbeschwerden zurückgehen. Ein Zusammenhang scheint in einigen Fällen also zu bestehen. Ob Weizen allerdings wirklich für Demenz und Autismus verantwortlich ist, halte ich eher für unwahrscheinlich. Aber das ist nur meine persönliche Meinung als Laie.

In Bezug auf Gewichtsverlust kann ich Dr. Davis allerdings nur zustimmen. Ich habe letztes Jahr 3 Monate lang auf alle Weizenprodukte (Brot, Nudeln, Bier etc.) verzichtet und in diesem Zeitraum 6 kg abgenommen, ohne dabei mehr Sport zu machen. Weniger Appetit und schnelle Sättigung sind das Resultat einer solchen Ernährungsweise, was relativ schnell zu einem Kaloriendefizit führt. Wer also ein wenig abnehmen möchte, der kann seinen Konsum problemlos einschränken, ohne dabei seine Gesundheit zu gefährden. Denn ernährungstechnisch ist Weizen keinesfalls unersetzlich.

Während Dr. Davis also auf knapp 400 Seiten gebetsmühlenartig von einer Krankheit zur nächsten hüpft, fragt sich der aufmerksame Leser, ob er jemals wieder Weizen essen kann, oder ob er eventuell schon tot und in der Matrix verschwunden ist. Also wie gesagt, alles mit Vorsicht genießen und sich nicht verrückt machen lassen. Essen soll schließlich noch Spaß machen und einen nicht total verunsichern. Den Konsum von Weißmehl in Form von Süßwaren und Toast sollte man aber mit Sicherheit stark reduzieren und sich eher auf Alternativen wie Emmer, Einkorn, Dinkel und Kamut beschränken, die sich in den letzten Jahren kaum verändert haben.

Kurz noch ein paar Worte zum Aufbau des Buches: Dr. Davis bringt immer wieder Beispiele von Patienten aus seiner Praxis, die durch Weizenverzicht zum Beispiel ihre Krankheit Diabetes in den Griff bekommen haben. Das ist sehr interessant und man bekommt Einblicke in Bezug auf die unterschiedlichen Symptome und Krankheitsbilder. Am Ende des Buches findet man zudem eine umfangreiche Liste mit weizenfreien Rezepten für den Alltag, die sich zumeist auch sehr lecker anhören.

Sehr positiv finde ich, dass Dr. Davis glutenfreie Ersatzprodukte keineswegs propagandiert, sondern sogar davon abrät. Grund dafür ist, dass Ersatzprodukte unter Einsatz von Reis- und Maismehl einen genauso hohen, oder sogar höheren Glyx Wert aufweisen und dementsprechend den Blutzuckerspiegel stark beeinflussen. Außerdem sind viele Produkte industriell verarbeitet. Stattdessen soll man sich auf „richtige“ Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Samen und Nüsse konzentrieren.

Abschließend kann ich nur sagen, dass man „Die Weizenwampe“ auf jeden Fall gelesen haben sollte und dort viele interessante Informationen enthalten sind. Der Titel ist allerdings sehr reißerisch, was ein wenig die Seriosität bei der Sache vermissen lässt. Viele Theorien sollte man zudem mit Vorsicht genießen und nicht als bewiesen betrachten. Die Zukunft wird zeigen, ob es sich hier hauptsächlich um Panikmache, oder fundierte Erkenntnisse handelt.

  • Autor: Dr. Med. William Davis
  • Seiten: 400
  • Originaltitel: Wheat Belly



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