Anuga 2015: Vegan ist trend

anuga2015
Dieses Jahr hat es mich zum ersten Mal auf die Anuga in Köln verschlagen. Für alle die es nicht wissen sollten, die Anuga ist weltweit die führende Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie. Auf über 280.000 m² ist hier alles mit Rang und Namen aus der Lebensmittelbranche weltweit vertreten. Wen man hier nicht findet, den gibt es also nicht.

Biozentrale
Der schicke Stand von Biozentrale

Da sich die Messe an Fachbesucher und nicht an den Endverbraucher richtet, hatte ich Glück, über die Firma Biozentrale an eine Karte zu kommen. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dafür.

Zuerst war ich etwas erstaunt, dass die Anuga tatsächlich ganze fünf Tage andauert. Sowas kenne ich von anderen Messen in der Regel nicht. Wenn man aber einmal vor Ort ist merkt man, dass es anders gar nicht funktionieren kann, da sich die Messe über zahlreiche Hallen erstreckt und man als Besucher sehr schnell den Überblick verlieren kann. Ich musste also zwangsläufig selektieren und habe mich auf den Bereich Bio und somit auf Halle 5.2 konzentriert.

vegane pfanne
Dieses Produkt kommt erst noch auf den Markt

Um meine Eindrücke kurz zusammenzufassen: Vegan liegt weiter absolut im Trend und erfährt ein ungeheures Wachstum. Das konnte man an so gut wie jedem Stand sehen und auch in Gesprächen kristallisierte sich dies immer wieder heraus.

Auf den zweiten Blick konnte man noch weitere Unterthemen als Trend ausmachen. So dominierten natürlich die typischen Fleischersatzprodukte die Messe. Von Soja über Seiten bis hin zu Lupine war so gut wie alles vertreten. Fleischersatz ist mit Sicherheit zu Beginn hilfreich, aber ansonsten bleiben solche Produkte für mich eher ein Genussmittel und gehören nicht zur täglichen Ernährung.

Viel interessanter fand ich, dass Produkte auf Basis von Kokos extrem im Kommen sind. Kokosöl und Kokoswasser sind da mittlerweile eher schon ein alter Hut. Kokoszucker ist dagegen der neue Star im Bioregal und scheint durch seinen niedrigen glykämischen Index vor allem für Diabtespatienten und Personen mit Übergewicht interessant zu sein.

kokoszucker
Kokoszucker der Firma Maya Gold Organic

Zur Herstellung wird die Kokospalme angeschnitten, damit der süße Nektar austritt. Dieser wird dann bei niedrigen Temperaturen aufgekocht, sodass Kristalle entstehen. Wie das letztendlich mit der Nachhaltigkeit aussieht, wird sich noch zeigen. Da die Palmen für die Entnahme des Nektars nicht abgeholzt werden müssen, scheint es jedoch so, dass man die Pflanze auf vielfältige Art und Weise verwenden kann. Blütenzucker, Kokoswasser und Kokosöl können also aus einer Pflanze gewonnen werden.

Der Zucker ist ähnlich süß wie Rohrzucker und könnte diesen also folglich 1:1 ersetzen. Der Geschmack erinnert dagegen eher weniger an Kokos, sondern an Malz und Karamel. Da sich der Zucker sehr schnell auflöst, eignet er sich z.B. hervorragend für Getränke und Cocktails.

Mehr Infos erhaltet ihr hier (link existiert leider nicht mehr).

Ein weiteres Hypethema sind die sogenannten Superfoods. Gojibeeren und Chiasamen waren ohnehin überall vertreten. Neu dagegen sind Produkte mit Hanf und Acai. Eigentlich dachte ich, dass Acai bereits deutlich bekannter sei in Deutschland. Doch auf Nachfrage versicherte mir Herr Retzer, der Geschäftsführer von „Maya Gold„, dass die Produkte hierzulande noch recht unbekannt seien.

acaipulver
Die Superfoods der Firma Maya Gold Organic

Das hat mich dann doch eher erstaunt, gerade weil doch Attila Hildmann in gefühlt jedem zweiten Rezept Acai verwendet und man das Beerenpüree unter seinem Namen schon in einigen Biomärkten kaufen kann. Herr Retzer hat mir netterweise ein paar seiner Produkte mitgegeben, sodass ich euch hier bereits ein passendes Rezept präsentieren kann.

berioo
Der sympathische Stand von Berioo aus Münster

Auch die Firma Berioo aus Münster hat sich zu 100% den Superfoods verschrieben. Neben Chia-Samen, Acai-Pulver und Kakao-Nibs, vertreiben sie, in Zusammenarbeit mit Biozentrale, auch sehr leckere Smoothies auf dem deutschen Markt. Darunter der „Wachmacher“ mit Guarana, aber auch ein Acai-Drink mit einem 25%igen Anteil der gleichnamigen Beere. Das klingt jetzt nicht so wahnsinnig viel, aber in der Regel findet man in anderen Produkten bestenfalls Spuren von Acai. Von daher kann man das durchaus positiv erwähnen.

biozentrale produkte

Danach war ich noch kurz beim Stand von Veganz und konnte zumindest schon einmal heraushören, dass weitere Läden erst einmal nicht geplant sind. Für Köln und andere Großstädte auf der einen Seite schade, aber dadurch haben kleinere Fachgeschäfte eine bessere Überlebenschance. Nach der gestarteten Kooperation mit DM geht der Trend also weiter in Richtung Vertrieb über den Einzelhandel.

Gegen Ende war ich dann noch beim Messestand von King Soba, der für mich besonders spannend war. Seit meiner Zeit in Japan liebe ich Soba-Nudeln, aber leider konnte ich bis dato kaum hochwertige Produkte in deutschen Supermärkten finden. Sehr oft bestehen die dortigen Nudeln nämlich zu 30-40% aus reinem Weizenmehl, was zwar hinsichtlich der Klebeeigenschaften des Teiges wesentlich einfacher, aber geschmacklich auch deutlich schlechter ist.

Den Geschmack der King Soba konnte ich noch nicht testen, aber allein die Tatsache, dass die Nudeln zu 100% aus reinem Buchweizenmehl bestehen, ist es wert das Produkt zu erwähnen. Zusätzlich gibt es die Nudeln auch noch in Versionen mit einem Anteil an Süßkartoffel- und Reismehl.

soba

Irgendwie hatte die Messe aber auch einen faden Beigeschmack für mich. Man bekommt schon sehr krass vor Augen geführt, in was für einer Überflussgesellschaft wir leben. Gerade viele Aussteller aus dem Ausland werfen ihre Produkte gegen Ende weg, da die Kosten für den Rücktransport sich einfach nicht rechnen würden. Ein gewisser Anteil landet aber angeblich auch bei der Tafel e.V., was dann zumindest ein klein bisschen Milde stimmt.

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht. Ende nächsten Jahres findet die erste rein vegane Messe in Köln statt. Also merkt euch schon einmal die Veganfach vor.

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