Welche Auswirkung hat Glyphosat auf den Körper?

Glyphosat Auswirkungen auf den Körper

Seit Jahren steigt die Anzahl an Menschen, die von sich behaupten, dass sie Weizen und anderes glutenhaltiges Getreide nicht vertragen. Ein Blick in die Regale im Supermarkt genügt und man sieht, dass glutenfreie Produkte mittlerweile fast überall erhältlich sind.

Kurz vor der Ernte wird Getreide noch einmal mit Pestiziden besprüht, damit das Korn leichter eingesammelt werden kann. Hat vielleicht dieser verstärkte Einsatz von Glyphosat etwas mit den Unverträglichkeiten zu tun? Eine Studie vom Bundes Umweltamt aus dem Jahr 2015 konnte bei mehr als 40% der Personen aus einer Testgruppe Glyphosat im Blut nachweisen. Grund genug, sich genauer damit zu beschäftigen.

Was ist Glyphosat überhaupt?

Glyphosat ist eine chemische Verbindung und Bestandteil von Roundup, dem meistgenutzten Pflanzenschutzmittel der Welt. Es kommt aber auch in anderen Pestiziden vor. Produziert wird es von der Firma Monsanto, die kurz vor einer Übernahme durch Bayer steht. Mittlerweile gibt es einige Stimmen, die behaupten, dass Glyphosat stark gesundheitsgefährdend, eventuell sogar krebserregend ist. Doch es existieren auch zahlreiche Forschungsberichte, die dies zu wiederlegen scheinen.

Bringt eine Doku neue Erkenntnisse?

Auf Youtube und in den Mediatheken tummelt sich mittlerweile eine ordentliche Anzahl an Dokumentationen zum Thema Glyphosat. So zum Beispiel die ursprünglich auf Arte ausgestrahlte Doku „Chronisch vergiftet – Monsanto und Glyphosat“. Darin wird berichtet, dass es in Deutschland seit Jahren steigende Todesraten bei der Nutztierhaltung gibt. Auch die Landwirte selbst klagten vermehrt über gesundheitliche Beschwerden. Und das sind längst keine Einzelfälle mehr. Zu den Ursachen gab es aber bis zuletzt keinen Erklärungsansatz.

Licht ins Dunkel brachte erst ein Team bestehend aus Wissenschaftlern der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Nach monatelangen Untersuchungen auf einem betroffenen Hof, fand das Team giftige Bakterien (Clostridium botulinum) in den Ausscheidungen von Milchkühen und auch in den Tieren selbst. Im Nachgang konnten auch beim Landwirt Antikörper zu diesen Bakterien nachgewiesen werden.

Erneut vergingen einige Monate, bis man den entscheidenden Hinweis fand, warum diese Bakterien in so hohen Mengen vorhanden waren. Resultat: Sowohl die Milchkühe, als auch der Landwirt hatten erhöhte Mengen an Glyphosat im Blut. Innerhalb des Teams selbst versuchte man indes eine Negativprobe zu bekommen, was jedoch nicht gelang. Die Wissenschaftler selber hatten also ebenfalls nachweisbare Mengen an Glyphosat im Blut. Dies zeigt, wie weit verbreitet Glyphosat mittlerweile in unseren Lebensmitteln vorkommt.

Der Befund an sich beweist natürlich keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und den Clostridium botulinum Bakterien. Wieder verging einige Zeit, bis das Team rund um Frau Prof. Dr. Monika Krüger neue Erkenntnisse gewinnen konnte. Das Ergebnis: Glyphosat tötet gesundheitsfördernde Bakterien in unserem Darm ab, sodass sich krankheitserregende (pathogene) Bakterien verbreiten können und ein Ungleichgewicht im Darm bilden.

Wer sich ein wenig mit Darmgesundheit beschäftigt hat weiß, dass ein solches Ungleichgewicht der Darmflora dramatische Folgen für den gesamten Körper haben kann. Wer sich noch weiter in dieses Thema einlesen möchte, dem kann ich an dieser Stelle das Buch „Schlau mit Darm“ empfehlen.

Die Universität Leipzig hat die Studie übrigens auch veröffentlicht und ins Netz gestellt. Hier könnt ihr euch einige der Ergebnisse durch die Forschergruppe genauer ansehen. Die Bilder zeigen jedoch deutliche Verstümmelungen bei Föten und Jungtieren, sind also nichts für schwache Nerven. In dem von mir verlinkten PDF wird auch noch einmal auf die Wirkungsweise von Glyphosat auf verschiedene Bakterien in der Darmflora eingegangen. Auch zeigt der Bericht Fotomaterial mit Fehlstellungen und Deformationen bei Ferkeln, die in Dänemark aufgenommen wurden. Dazu gibt es noch eine weitere Dokumentation, die ihr ebenfalls auf Youtube sehen könnt.

Gerade wegen dieser Befunde überrascht es umso mehr, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung auch weiterhin bei der Aussage bleibt, dass Glyphosat für den Menschen keine Risiken berge. Im Vorfeld hatte das BfR erneut zahlreiche Studien geprüft, die jedoch größtenteils von den Herstellern der Herbizide selbst in Auftrag gegeben wurden. Es ist also nicht mehr als berechtigt, wenn man die Unbefangenheit der an diesen Studien teilhabenden Wissenschaftler anzweifelt.

Ähnliche Deformationen und Krankheitsbilder, wie sie bereits bei Schweinen und Kühen in Deutschland und Dänemark auftreten, lassen sich übrigens auch bei Menschen in Südamerika finden. Vor allem beim Anbau von Soja und Kaffee werden dort enorme Mengen an Pestiziden eingesetzt, die direkt ins Grundwasser wandern. Der ansässigen Bevölkerung bleibt meist keine andere Wahl, als das Wasser der angrenzenden Flüsse und Seen für den täglichen Bedarf zu verwenden. In der Folge scheint sich dies in steigenden Geburtsdefekten und Missbildungen niederzuschlagen. Auch hier findet man entsprechende Dokumentationen bei Youtube und Artikel im Netz. Der Zusammenhang ist bis dato zwar noch nicht erwiesen, scheint mir aber sehr nahelegend und plausibel zu sein.

Unabhängige Studien zu Glyphosat

Mittlerweile mehren sich aber auch die unabhängigen Studien. So haben französische Wissenschaftler einen Langzeittest an Ratten durchgeführt. Nachdem diese mit Glyphosat belasteter Nahrung gefüttert wurden, zeigten sich schwere Leber- und Nierenstörungen bei den Tieren. Auch Brusttumore traten vermehrt auf. Die Studie könnt ihr unter folgendem Link nachlesen. Es gibt auch eine Stellungsnahme vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Zusammengefasst besagt diese, dass es zwar ein paar Kritikpunkte bei der Studie gäbe, dass die Daten in Summe aber plausibel erscheinen. Es wird festgehalten, dass Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat und weitere Stoffe enthalten, in Summe toxischer wirken können, als es Glyphosat für sich alleine tut. Es wird auch festgehalten, dass es erheblichen Bedarf bei der Erforschung auf dem Gebiet der Mischungstoxizität gibt. Es bestünde jedoch Unsicherheit, ob man die Ergebnisse der Studie auf andere Organismen – und damit auch auf den menschlichen Organismus – übertragen könne.

Das BfR scheint sich also selbst nicht wirklich festlegen zu wollen. Interessant ist hierbei, dass es einen recht ausführlichen Artikel auf Wikipedia zu der Studie gibt, den man unter dem Namen Séralini-Affäre nachlesen kann. Der Artikel auf Wikipedia geht sehr kritisch mit den Forschungsergebnissen aus der Studie um und stellt die Ergebnisse eindeutig in Frage. Da Wikipedia allerdings auch von jedem bearbeitet und aktualisiert werden kann, sollte man auch hier vorsichtig sein. Zwar müssen bei Wikipedia Belege zu den aufgestellten Aussagen angegeben werden, jedoch gibt es Grund zu der Annahme, dass Monsanto großen Einfluss auf die Ergebnisse zahlreicher Studien hatte. Kürzlich veröffentlichte die „New York Times“ einen Artikel zu geleakten Emails, die dies beweisen sollen.

Ghostwriting als gängige Praxis?

Laut Schätzungen basiert nahezu jede 10. Studie auf dem Prinzip des Ghostwriting. Die Industrie erstellt eigene Studien, lässt einen Professor gegenlesen und dieser setzt seinen Namen unter die Studie. Eine strafbare Handlung, die aber für beide Seiten lukrativ zu sein scheint.  Zu diesem Thema habe ich ein interessantes Interview zwischen WELT.de und Wirtschafsprofessor Christian Kreiß von der Uni Aalen verlinkt. Herr Kreiß hat unlängst ein Buch zum Thema manipulierte Studien veröffentlicht, das unter dem Titel „Gekaufte Forschung: Wissenschaft im Dienst der Konzerne*“ erschienen ist.

Jetzt kann man daraus natürlich nicht pauschal schlussfolgern, dass von der Industrie finanzierte Studien per se manipuliert und zum Vorteil der Konzerne ausgelegt werden. Aber dort wo viel Geld fließt und Abhängigkeiten entstehen, ist zumindest die Grundvoraussetzung dafür gegeben. Zudem sind die Konzerne natürlich frei in Ihren Entscheidungen und können eigens in Auftrag gegebene Studien, die zu einem für den Konzern nachteiligen Ergebnis kommen, auch einfach nicht veröffentlichen. Entsprechend werden natürlich bevorzugt positive Ergebnisse ausgewählt und veröffentlicht, wodurch sich ein falsches Bild ergeben kann.

Wenn die Industrie anbietet Forschungen zu finanzieren, kommen mit Sicherheit viele Wissenschaftler ins Grübeln. Es sollte jedoch klar sein, dass man sich dadurch in gewisser Weise abhängig macht und die Industrie an Einfluss gewinnt. Aus meiner Sicht kann dies nicht im Sinne des Verbrauchers sein, der unabhängige Ergebnisse erwartet.

Was bedeutet das für uns?

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Glyphosat krebserregend ist, oder nicht. Für beide Annahmen gibt es Studien. Jedoch darf durchaus angenommen werden, dass ein Großteil der Studien unter dem Einfluss der Industrie veröffentlicht wurde. Unabhängig von dieser Debatte scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, dass Glyphosat in der Lage ist unsere Darmflora nachhaltig zu schädigen. Wenn gute Bakterien absterben und ein Ungleichgewicht im Darm entsteht, dann kann dies unzählige Negativfolgen für die Gesundheit haben. So sind viele der guten Bakterien beispielsweise für die Bildung von Aminosäuren notwendig. Fehlen diese Aminosäuren, so kann dies von Schwindel, Depressionen und Allergien, bis hin zu ernsthaften Krankheiten führen.

Zudem schützen die guten Bakterien unsere Darmschleimhaut. Besteht ein Ungleichgewicht im Darm, dann kann dies zum Leaky Gut Syndrom (Syndrom des durchlässigen Darms) führen. Wenn der Darm erhöhte Durchlässigkeit aufweist, gelangen unverdaute Proteine und andere Stoffe in den Blutkreislauf und es kommt zu Abwehrreaktionen im Körper. Langfristig können sich daraus Autoimmunerkrankungen bilden. Speziell Gluten kann bei einem stark durchlässigen Darm zu einer Verschlimmerung von bereits bestehenden Symptomen führen und die Darmschleimhaut weiter schädigen. Ein Verzicht auf glutenhaltige Produkte wird deshalb oftmals empfohlen, bis die Darmflora wieder vollends hergestellt ist.

 

2 Comments

  • Hey Dominik
    ich finde deine Überlegungen und Anregungen in ihrer Komplexität sehr Vorbildlich!
    Ich habe nur nach veganen Rezepten gesucht,ich bin Positiv überrascht .
    Du hast ein sehr klaren Blick auf die Zusammenhänge zwischen unserer Umwelt und den heutigen immer häufigeren Krankheiten,die das Resultat der industriellen Verarbeitung unserer Lebensmittel sind.
    Ich werde weiter gespannt deine Beiträge verfolgen!
    Ich lasse dir liebe Grüße da!
    Patricia

    • Hi Patricia,

      sehr gerne. Aber natürlich bin ich weder Arzt noch Wissenschaftler. Das muss man halt immer im Hinterkopf behalten. Ich kann mir nur in sehr begrenztem Rahmen Gedanken über solche Dinge machen. Ein Beweis ist das dann noch lange nicht. Aber vielleicht hilft es ja dabei, dass sich noch mehr Leute Gedanken über das Thema Gesundheit und Lebensmittel machen.

      Viele Grüße

      Dominik

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